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Autor: Sibylle Weischenberg
Stand: 17.10.2017




W.I.P. - Der BLOG

Die Fahrt seines Lebens

Stellen Sie sich vor, Sie hätten den Termin Ihres Lebens, sei es privat oder beruflich. Einen, der sich nie mehr wiederholen wird. Und stellen Sie sich vor, Sie starten Ihren Weg dorthin in Garmisch-Partenkirchen – im Winter. Und Sie müssten am nächsten Morgen früh am Münchner Flughafen sein. Dann würden Sie sicher, genau wie ich, die Nacht zuvor in einem Hotel am Airport verbringen, um ja rechtzeitig am Terminal zu stehen. Vielleicht würden Sie dies noch nicht einmal aus Furcht vor plötzlich auftretendem Blitzeis tun, sondern aus berechtigter Sorge, Sie könnten im Stau auf der Autobahn steckenbleiben.

Und mehr will ich zu Felix Neureuther gar nicht sagen. 

Ein katastrophaler Anblick

Ein katastrophaler Anblick-nein, nicht der, den einige Spitzenpolitiker derzeit in der Koalition bieten, gemeint ist Kate Middleton, die bei ihren spärlichen öffentlichen Auftritten nur mit zwei Dingen beschäftigt ist:

Ihre Haare aus dem Gesicht zu streichen und ihren hochfliegenden Rock runterzudrücken. Fassungslosigkeit ist angesagt, warum eine Frau nicht begreift, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Job zu erledigen hat.                                 Nämlich den, einigermaßen akzeptabel für Fotografen zu posieren, hin und wieder drei (!) Sätze zur Eröffnung einer Irgendwas-Ausstellung fehlerfrei vom Blatt abzulesen (was sie gerade wieder nur mit Gestammel hinter sich gebracht hat), sich nicht immer hinter Mama Caroles Rockzipfel zu flüchten und wenigstens so zu tun, als habe sie den Sinn ihres so herbei gesehnten Daseins als Prinzen-Gattin verstanden. Sie ist Teil einer Symbol-Firma, nicht mehr und nicht weniger. Sie hat nichts zu entscheiden, braucht keine politische Denke, besitzt keine Macht und muss nur ungeschriebene Regeln eines standesbewussten Königshauses verinnerlichen.

Nix davon hat sie begriffen.

Sie hat es tatsächlich so weit treiben lassen, dass die Queen eingreifen muss. Und wer deren Mahnung (die sie ganz bewusst hat öffentlich werden lassen), ihre angeheiratete Enkel-Schwiegertochter möge endlich einen royalen Auftritt hinkriegen, als altmodische, ultra-konservative Denke verurteilt, liegt völlig falsch. Kate Middleton ist keine Fashion-Ikone, kein It-Girl, kein viertklassiges Starlet aus La-La-Land, das mit nackten und halbnackten Ooops-Auftritten von sich reden lassen will. Und sie darf schon gar nicht ein anorektisches Mager-Model sein, ein Anblick, der verstört.

Kate Middleton hat schon vor ihrer Hochzeit genau diesen falschen Pfad gewählt, um sich interessant zu machen und um auf Fotos, wie sie glaubte, besonders vorteilhaft rüber zu kommen. Sie verdeckt also mit ihren strengen Diäten und dem ultra-harten Sport-Regime nur den ungehinderten Blick auf ihre innere Unsicherheit.

Und leider wird jeder Ausrutscher von Ehemann William verteidigt, der mit der Nachsicht über ihre Eitelkeiten das Andenken an seine Mutter pflegt, die er damals als Heranwachsender nicht schützen konnte. Er fühlt sich immer noch schuldig, dass er vor ihrem Tod im Streit mit ihr auseinandergegangen war.

Und so kapiert das Mittelstandsmädchen Kate nicht, dass man als royale Frau auch im Urlaub das Bikini-Oberteil anlässt, dass man nicht bei der Auslands-Visiste das zitronengelbe Kleidchen hochflattern lässt, um der ganzen Welt seinen nackten Hintern zu präsentieren, inkl. der Feststellung, dass sie kneifende Stringtangas trägt.

Beim letzten Besuch in einem Londoner Kindergarten (was für eine Arbeit) sah man nichts außer wild umherfliegenden Haaren und die britischen Zeitungen waren voll mit Frisurenvorschlägen für eine 32-jährige, die nicht begreift, dass sie keine unbekannte 17-jährige aus dem britischen Mittelstand mehr ist.

Und so ist sie wieder einmal ein Beispiel für Oberflächlichkeit, in den Tag leben, während furchtbare Unwetter das Land ins Überschwemmungs-Chaos stürzen und Tote zu beklagen sind. Kate Middleton hat nichts, aber auch gar nichts begriffen. 

Willkommene bei der Unterbrechung

Eigentlich schreibe ich an meinem neuen Buch, aber es gibt nichts verführerisches als immer mal wieder eine kleine Pause einzulegen. Und was bietet sich als willkommene Unterbrechung an? Olympia gucken -  natürlich! Ausgestattet mit einem Durchschnittswissen von fast jeder Sportart und neugierig auf die Randsportgruppen. Herrlich Curling. Nicht etwa wegen der Kita-Blümchen-Hosen der Norweger, sondern wegen der Schuhe. Wieso erklärt einem eigentlich kein Kommentator, warum die Spieler nicht dauernd hinfallen, warum sie auf dem Eis gleiten können mit einem Schuh und trotzdem wieder Tritt fassen. Und mit diesem Mysterium bin ich auch schon bei meinem Grund, meinen Blog heute zu starten. Die Experten rauben mir den letzten Nerv. Da stehen Kathi Wilhelm und Magdalena Neuner, ihre Mikrofone fest umklammert, im Dämmerlicht der Scheinwerfer neben dem Moderator und was kommt?  Experten ratlos! Neuner versteigt sich zu der aufrüttelnden Bemerkung: „Da muss man einen großen Haken dran machen.“ Und Wilhelm: „Das ist Biathlon.“ Boah. Das hatte man selbst gesehen. Frauen-Biathlon Totalausfall und wissen wollte man, warum die Sieger keinen Haken hinterher brauchen. Und dann die permanente Aussage von „Expertin“ Neuner, alles sei für sie „suppa-entspannt“. Na dann, eine schöne Zeit noch.

Da komme ich dann gleich noch zu meinem Entsetzen über die Mützen der deutschen Olympioniken. Die soll sie ja entworfen haben. Da muss  die Tiefen-Entspannung auf jeden Fall ins Nirwana abgeglitten sein, denn die Dinger machen aus jeder Frau, und sei sie noch so hübsch wie Skispringerin Carina Vogt, einen Alien auf dem Goldmedaillen-Sieger-Podest. Furchtbar.

Was man sich so alles an guckt, nur um noch nicht weiter zu arbeiten...

Eisschnell-Laufen. So schön, wie der olle Poschi mit hochgeknödeltem Timbre die letzten Sekunden hochjazzt oder der Gold-Überraschungssieger Mayer aus Österreich vor sich stammelt: "Ja, Scheiße, ich bin Olympiasieger. Ich glaub’s nicht."

Wär schön, wenn endlich mal die als Experten engagierten Ex-Sportler das sagen würden, meinetwegen auch stammeln, was wir hören wollen – weil wir es selbst empfinden. Enttäuschung, Rührung, Freude – Emotionen nennt man so was.

Aber bitte nicht missverstehen. Ich meine nicht das, was Kati Witt vor der Entscheidung im Paarlauf pikiert von sich gegeben hat, als sie hörte, dass der Sender zum Pokalspiel Frankfurt-Dortmund umschalten wird: "Och nö, Fußball gibt’s doch das ganze Jahr über..." Auweia!